09.06.2024

Juniorwahl: EU-Wahlen in St. Gertrudis

Eine lange Schlange hat sich bereits vor dem Forum an der Schule St. Gertrudis gebildet. Doch dieses Mal nicht für den normalen Fachunterricht. Um Punkt 8.30 Uhr öffnen Karla Lauster und Maximilian Hochstatter vom Leistungskurs Gemeinschaftskunde der Kursstufe 1 die Türen. Sie sind heute Wahlhelfer*innen für die Juniorwahl, die unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Lisa Paus steht.

Seit 1999 haben sich fast 6 Millionen Schülerinnen an der größten Wahlsimulation Deutschlands beteiligt. Regelmäßig werden diese Juniorwahlen zu Landes- und Bundestagswahlen durchgeführt, oder wie heuer zur Europawahl, zur Wahl des Europäischen Parlamentes. Durch die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre, erhöht sich auch für einen Großteil der Schülerinnen an St. Gertrudis hierfür die Relevanz. Um diese Bedeutung zu unterstreichen und die Erstwählerinnen gut vorzubereiten, hat Gemeinschaftskundelehrer Gabriel Stengel gemeinsam mit seinem Leistungskurs der Kursstufe 1 die Wahlen organisiert und vorbereitet. „Demokratin oder Demokrat zu sein wird einem nicht in einfach in die Wiege gelegt“, so Stengel, „es muss erlernt werden.“ Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, haben in den vergangenen Wochen 458 Schülerinnen und Schüler von Klassenstufe 9 bis zur Kursstufe 2 im Unterricht Besuch von zwei Schüler*innen des Leistungskurses bekommen. Diese führten mit den Klassen in einer eigens hierfür konzipierten Doppelstunde einen „Crash-Kurs EU“ durch. Hierbei wurden nochmal Grundlagen zur EU behandelt, aktuelle Entwicklungen der EU diskutiert und vor allem auch ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien geworfen, schließlich soll so eine Wahlentscheidung auch gründlich durchdacht sein. Diese Wahlentscheidung wurde dann im Forum, dem Wahllokal an St. Gertrudis, zu Papier gebracht.

Wie bei jeder echten Wahl hat auch bei der Simulation alles seine Ordnung. Deshalb kontrollieren die fleißigen Wahlhelfer zunächst einmal die Wahlbenachrichtigung und den Ausweis einer jeden Schülerin, haken den Namen im Wählerverzeichnis ab und erst dann gibt es den Wahlzettel, mit welchem sie dann in die eigens hierfür aufgebauten Wahlkabinen verschwinden können. „Man bekommt einen Eindruck davon, wie komplex und aufwendig so eine Wahl ist“, so Karla im Hinblick auf die Vorbereitung und Durchführung der Juniorwahl. „Ganz schön aufregend!“, befand Lisa Berhalter aus der Kursstufe 2, nachdem sie ihren Zettel in die Wahlurne gesteckt hatte. Dabei wird es für sie wie für viele weitere Schülerinnen und Schüler bei der Europawahl erst richtig ernst, wenn der erste offizielle Urnengang ansteht.

Die Auszählung der Juniorwahl erfolgte nach Schließung des Wahllokals und wird anschließend digital an die Zentrale nach Berlin durchgegeben. Die Juniorwahl ist damit eine der größten demoskopischen Erhebungen unter Jugendlichen und gilt nicht nur als wichtiger Eckpfeiler für politische Bildung an Schulen, sondern auch als „Wasserstandsmeldung“, wie Jugendliche aktuell politisch ticken. Eine generelle Politikverdrossenheit kann Gabriel Stengel mit Blick auf seine Schülerinnen und Schüler nicht feststellen. Es sei eher eine Art „Parteienverdrossenheit und Ernüchterung, dass ihre Themen nicht so sehr im Vordergrund zu stehen scheinen“. Dass aus dieser Ernüchterung eine Motivation entwächst, sich selbst aktiv politisch zu engagieren, dazu soll die Wahlsimulation ihren einen kleinen Teil dazu beitragen.